
Nach der neuesten Erhebung des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels
(BVH), bekommen die deutschen Onlinehändler einen besonders schönen Jahresabschluss unter den Weihnachtsbaum gelegt. Die Deutschen geben voraussichtlich rund 19,3 Milliarden Euro (Vorjahr: 16,8 Milliarden) für Waren und Dienstleistungen im Internet aus. Das entspricht einem Zuwachs von 15 Prozent gegenüber dem Jahr 2007.
Die aktuelle Erhebung basiert im wesentlichen auf den Zahlen der BVH-Frühjahresstudie, der ACTA-Studie 2008 und einer Mitgliederbefragung aus dem September dieses Jahres. Wie Verbandssprecher Oliver Claas
gegenüber iBusiness erklärt, hätten sich die Kernaussagen der Frühjahrsstudie durch eine regelmäßige Nachqualifizierung immer noch als vailde erwiesen.
Im BVH sind rund 250 Unternehmen organisiert - vor allem die großen Versandhäuser und E-Commerce-Unternehmen wie beispielsweise Zooplus, Buch.de oder Dress-for-less. Damit repräsentiert der Verband zwar nur einen Bruchteil der Marktteilnehmer, allerdings erwirtschaften die BVH-Mitgliedsunternehmen nach eigenen Angaben "mindestens 75 Prozent der Distanzhandelsumsätze".
Etwas anders sieht es bei den kleineren und mittleren Onlinehändlern aus, die nicht verbandsmäßig organisiert sind. Es sei festzustellen, dass einige KMUs derzeit einige Probleme hätten, das bevorstehende Weihnachtsgeschäft vorzufinanzieren, erklärt Dr. Albrecht von Sonntag, Geschäftsführer des Preisvergleichers Idealo.de, im Gespräch mit iBusiness. Zwar sei die aktuelle Marktentwicklung insgesamt positiv, aber schlechter als noch im Sommer. Die Insolvenz der beiden Onlineshops NorskIT und E-Bug, beide gehören zur Bug AG und erwirtschafteten 2007 gemeinsam einen Umsatz von 53 Millionen Euro, sei das prominenteste Beispiel für diese Entwicklung, so von Sonntag.
Diesen Trend kann Rüdiger Biebl, Portalmanager bei Prei svergleich.de nur bestätigen. Im Zuge der Finanzkrise bekämen kleinere Webshops nicht die notwendigen Kredite, um ihren Einkauf vorzufinanzieren. Dies zeige sich besonders bei den Shops im Elektronik- und IT-Sortiment. Hier stünden einem hohen Finanzierungsaufwand nur geringe Margen entgegen, weshalb vor allem hier ein enormer Bedarf an Fremdkapital bestehe.
Allerdings erwarten auch von Sonntag und Biebl vom Weihnachtsgeschäft den typischen saisonalen Anschub für den Markt bis zum Jahresende. Fast dreiviertel (72 Prozent) aller Deutschen meinen das ebenfalls und wollen sich trotz Finanzkrise nicht in ihren Weihnachtseinkäufen einschränken. Diesem Trend stimmt auch Stephan Musikant, Geschäftsführer der Ciao GmbH zu und erklärt gegenüber iBusiness: "Auch wenn grundsätzlich aufgrund der derzeitigen gesamtwirtschaftliche Lage von leicht rückgängigen Umsätzen auszugehen ist - schätzen wir speziell für den Bereich E-Commerce die Lage so ein, dass die zunehmende Beliebtheit des Online-Shopping zu weiter steigenden Anteilen an den Weihnachtskäufen und somit weiter steigenden Umsätzen in unserer Branche führt." Auch die Verbandsversender blicken sehr positiv in die Zukunft blickt. Laut der aktuellen Umfrage unter den Mitgliedern des BVH gehen 67 Prozent der Unternehmen davon aus, dass die Geschäftsentwicklung im E-Commerce positiver als im laufenden Jahr verlaufen werde.
Der Vorsitzende des Ausschusses E-Commerce im BVH und Geschäftsführer des Hamburger Outdoor-Versenders Globetrotter, Thomas Lipke, begründete die positive Entwicklung mit der zunehmenden Attraktivität des Onlineshoppings durch Trends wie Bewegtbild und Social-Commerce. "Shopping-Clubs bieten exklusive Angebote für Ihre Stammkunden an. Bei einigen Online-Shops können die Kunden auch selbst bei der Produktgestaltung aktiv werden". Lipkes Aussagen machen deutlich, dass die neuen Vertriebsstrategien des Social Commerce auch bei den klassischen Versendern im Fokus ihrer künftigen Internetstrategie stehen. Bestehende Life-, Event-, Shopping-Club-Anbieter müssen also in den nächsten Jahren mit massiver Konkurrenz aus dem Versenderlager rechnen. Lange auf sich warten lassen, werden die Versender wahrscheinlich nicht. Schon jetzt haben 81 Prozent der befragten BVH-Mitglieder angekündigt, ihre Investitionen im nächsten Jahr herauffahren zu wollen. (og)